Anziehfaktor

Formelzeichen αA
Einheit -
Attribut-ID vdi_2230_tightening_factor
Numerische ID 12103
Datentyp PMDouble

Der Anziehfaktor αA berücksichtigt die Streuung der Montagevorspannkraft zwischen FMmin und FMmax. Er ist abhängig vom Anzieh- und Einstellverfahren sowie gegebenenfalls der Reibungszahlklasse.

αA = FMmax/FMmin

Hier bestehen folgende Auswahlmöglichkeiten:

  1. Nutzereingabe
    Direkte numerische Eingabe
  2. hydraulisch, reibungs- und torsionsfrei
    αA=1,3
  3. streckgrenzgesteuert, drehwinkelgesteuert
    αA=1,4
  4. drehmomentgesteuert
    αA=1,6
  5. drehmomentgesteuert (Reibungszahlklasse B)
    αA=2,0
  6. drehmomentgesteuert (Reibungszahlklasse A)
    αA=2,5
  7. Schlag-/Impulsschrauber, oder von Hand
    αA=4,0
Anziehfaktor
α​A
Streuung  Anziehverfahren Einstellverfahren Bemerkungen 
1,1 bis 1,2 ±​5% bis ±​9% Anziehen mit Längungssteuerung bzw. -kontrolle per Ultraschall Schalllaufzeit
  • Kalibrierwerte erforderlich
  • bei lK /d < 2 progressive Fehlerzunahme zu beachten
  • kleinerer Fehler bei direkter mechanischer Ankopplung, größerer bei indirekter Ankopplung
1,1 bis 1,3 ±​5% bis ±​13% mechanisches Längen durch in der Mutter oder dem Schraubenkopf angeordnete Druckschrauben Vorgabe Längung der Schraube, Einstellung über Abdrückdrehmoment der Druckschrauben
  • gehärtete Unterlegscheibe zur Abstützung der Druckschrauben
  • ab ca. M24
1,2 bis 1,5 ±​9% bis ±​20% mechanisches Längen durch mehrteilige Mutter mit Gewindebuchse Drehmoment des Anziehwerkzeugs
  • weitgehend torsionsfreies Verschrauben
  • ab ca. M30
1,1 bis 1,5 ±​5% bis ±​20% Anziehen mit mechanischer Längungsmessung bzw. -kontrolle direktes Verfahren: Einstellung über Längungsmessung indirektes Verfahren: Axialspiel zum Kontrollstift aufgezehrt
  • notwendig: genaue Ermittlung der anteiligen axialen elastischen Nachgiebigkeiten der Schraube
  • Streuung wesentlich abhängig von der Genauigkeit des Messverfahrens
  • für niedrige Werte Kalibrierung erforderlich
  • bei lK /d < 2 progressive Fehlerzunahme beachten
1,1 bis 1,4 ±​5% bis ±​17% hydraulisches reibungs- und torsionsfreies Anziehen Einstellung über Druck- bzw. Längenmessung oder Weiterdrehwinkel der Mutter
  • bei lK /d ≥ 5 kleinere Werte erreichbar, bei mechanisch bearbeiteten Schrauben und Platten α​A = 1,05 möglich
  • bei Normschrauben und -muttern α​A ≥ 1,2
  • Geringere Klemmlängenverhältnisse führen zu größeren α​A-Werten.
  • Es treten Rückfederungsverluste auf, die im Anziehfaktor keine Beachtung finden.
  • Anwendung ab M20
1,2 bis 2,0 ±​9% bis ±​33% Impulsschrauber mit hydraulischer Pulszelle, drehmoment- und/oder drehwinkelgesteuert Einstellung über Drehwinkel oder Weiterdrehmoment
  • kleine Werte nur bei Voreinstellung auf den Schraubfall über Drehwinkel, Druckluftservoventil und Pulszählung
  • im Sonderfall auch überelastische Montage möglich
1,2 bis 1,4 ±​9% bis ±​17% streckgrenzgesteuertes Anziehen, motorisch oder manuell Vorgabe des relativen Drehmoment-Drehwinkel- Koeffizienten Die Vorspannkraftstreuung wird wesentlich bestimmt durch die Streuung der Streckgrenze im verbauten Schraubenlos. Die Schrauben werden hier für FMmin dimensioniert; eine Auslegung der Schrauben für FMmax mit dem Anziehfaktor αA entfällt deshalb für diese Anziehmethoden.
1,2 bis 1,4 ±​9% bis ±​17% drehwinkelgesteuertes Anziehen, motorisch oder manuell versuchsmäßige Bestimmung von Voranziehmoment und Drehwinkel (Stufen)
1,4 bis 1,6 ±​17% bis ±​23% drehmomentgesteuertes Anziehen mit Hydraulikwerkzeug Einstellung über Druckmessung ab ca. M30
1,4 bis 1,6 ±​17% bis ±​23% drehmomentgesteuertes Anziehen mit Drehmomentschlüssel, signalgebendem Schlüssel oder motorischem Drehschrauber mit dynamischer Drehmomentmessung versuchsmäßige Bestimmung der Sollanziehmomente am Originalverschraubungsteil, z.B. durch Längungsmessung der Schraube niedrige Werte: große Zahl von Einstell- bzw. Kontrollversuchen (z.B. 20) erforderlich; geringe Streuung des abgegebenen Moments (z.B. ±​5 %) nötig niedrige Werte für:
  • kleine Drehwinkel, das heißt relativ steife Verbindungen
  • relativ geringe Härte der Gegenlage
  • Gegenlagen, die nicht zum „Fressen“, neigen, z. B. phosphatiert oder bei ausreichender Schmierung
große Werte für:
  • große Drehwinkel, das heißt relativ nachgiebige Verbindungen sowie Feingewinde
  • große Härte der Gegenlage, verbunden mit rauer Oberfläche
1,6 bis 2,0 (Reibungszahlklasse B) ±​23% bis ±​33% drehmomentgesteuertes Anziehen mit Drehmomentschlüssel, signalgebendem Schlüssel oder motorischem Drehschrauber mit dynamischer Drehmomentmessung Bestimmung des Sollanziehmoments durch Schätzen der Reibungszahl (Oberflächen- und Schmierverhältnisse von großem Einfluss) niedrige Werte für: messende Drehmomentschlüssel bei gleichmäßigen Anziehen und für Präzisionsdrehschrauber große Werte für: signalgebende oder ausknickende Drehmomentschlüssel
1,7 bis 2,5 (Reibungszahlklasse A) ±​26% bis ±​43%
2,5 bis 4,0 ±​43% bis ±​60% Anziehen mit Schlagschrauber, „Abwürgschrauber“ oder Impulsschrauber; Anziehen von Hand Einstellen des Schraubers über Nachziehmoment, das aus Sollanziehmoment (für die geschätzte Reibungszahl) und einem Zuschlag gebildet wird; Handanzug nach subjektivem Ermessen niedrige Werte für:
  • große Zahl von Einstellversuchen (Nachziehmoment)
  • auf horizontalem Ast der Schraubercharakteristik
  • spielfreie Impulsübertragung
Verfahren nur zum Voranziehen geeignet, bei Anziehen von Hand Gefahr der Überdehnung bei M10 und kleiner

Tabelle aus: VDI 2230 Blatt1, VDI Verlag Düsseldorf, 2015, S. 117, "Tabelle A8. Richtwerte für den Anziehfaktor αA"